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Donnerstag, 28. Mai 2020
   
 

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Swisscanto Invest – Kurzbericht April 2020

Hohe Unsicherheit bedeutet weiterhin hohe Volatilität

Behördliche Maßnahmen zur Verhinderung einer unkontrollierten Ausbreitung des Coronavirus haben rund um den Globus einen Quasistillstand ganzer Wirtschaftszweige wie auch des sozialen Lebens verursacht.

Gleichzeitig stemmen sich Regierungen und Notenbanken mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den Abschwung, um eine Konkurswelle abzuwenden und einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern. Im 1. Halbjahr 2020 wird die Weltwirtschaft stärker schrumpfen als während der Finanzkrise 2008/2009. Ab Mitte des Jahres rechnen wir indes mit einem schrittweisen Hochfahren der wirtschaftlichen Aktivitäten rund um den Globus. China ist der Welt bei der Bekämpfung des Virus rund ein Quartal voraus.

Finanzmärkte

Die Corona-Krise verursacht an den Märkten große Verwerfungen und enorme Unsicherheit. Insgesamt glauben wir, dass sich die Finanzmärkte vorerst noch nicht beruhigen und das Auf und Ab in den kommenden Wochen weitergehen wird. So drohen die Unternehmensgewinne durch die wirtschaftliche Vollbremsung einzubrechen. Die massiven geld- und fiskalpolitischen Hilfen für Unternehmen und Arbeitnehmende lassen indes hoffen, dass das Schlimmste verhindert wird. Der US-Dollar verliert infolge der tieferen US-Zinsen an Attraktivität. Ein Nutznießer davon wird Gold sein.

Große Schwankungen am Anleihenmarkt

Infolge der globalen Verbreitung von COVID-19 hat auch die Volatilität an den Anleihenmärkten stark zugenommen. Die Renditen von Staatsanleihen haben sich im März in verschiedenen Währungsregionen sogar in unterschiedliche Richtungen bewegt. Während die 10-jährigen Renditen in den USA um 0,34% gefallen sind, haben die Schweizer Renditen um 0,6% zugelegt. In den USA führten Zinssenkungen und die Ankündigung unbeschränkter Anleihenkäufe der US-Notenbank zu einem starken Renditerückgang und Gewinnen auf US-Staatsanleihen. Am Schweizer Anleihenmarkt sind die Renditen in einem risikoaversen Umfeld hingegen gestiegen, da viele Marktakteure auch Obligationen mit hoher Bonität verkauften. In Phasen hoher Volatilität fehlt an den Bondmärkten oftmals die notwendige Liquidität für den Handel von größeren Volumen, was aktuell den Renditeanstieg am Schweizer Obligationenmarkt zusätzlich verstärkt hat. Die ultralockere Geldpolitik der globalen Notenbanken wird jedoch für Entspannung sorgen, was für fallende Renditen über die nächsten Wochen spricht. Die höheren Staatsschulden, verbunden mit einem höheren Emissionsvolumen von Staatsanleihen, werden von den Notenbanken absorbiert. Wir gehen allerdings davon aus, dass die Schwankungen am Anleihenmarkt weiter anhalten.

Marktvolatilität hat Höhepunkt überschritten

Im März erreichte die Unsicherheit der Aktieninvestoren wegen des Coronavirus ihren Höhepunkt. Der wichtigste Indikator dafür, der Volatilitätsindex für den US-Aktienmarkt (VIX), übertraf den bis dahin geltenden Rekord aus der Finanzkrise. In der aktuellen Krise sollte das das Maximum gewesen sein. Die Wende am Aktienmarkt dürfte aber noch etwas auf sich warten lassen. Denn aktuell befinden wir uns in einer Phase, in der Investoren zwischen Hoffen und Bangen hin- und hergerissen bleiben. Einerseits hat die zweite Märzhälfte gezeigt, dass Regierungen und Zentralbanken der Krise entschlossen entgegentreten. China scheint das Schlimmste hinter sich zu haben und versucht, langsam zur Normalität zurückzukehren. Andererseits kann von Entspannung noch keine Rede sein. Abgesehen von China befindet sich die Welt größtenteils noch am Anfang oder mitten im wirtschaftlichen Stillstand. Zudem ist in China eine zweite Epidemiewelle nicht auszuschließen.

Die volle Wucht der globalen konjunkturellen Vollbremsung wird erst im 2. Quartal zu spüren sein. Für die Unternehmen und damit die Aktienmärkte bedeutet dies weiterhin hohe Unsicherheit. Es ist nach wie vor kaum abschätzbar, wie hoch die Einbußen sein werden. Zwar haben viele Regierungen Liquiditätshilfen und zinsgünstige Kredite zugesagt, aber es werden wohl nicht alle Unternehmen die Krise überstehen. Darüber hinaus sind die Finanzhilfen in der Regel mit der Auflage verbunden, Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe auszusetzen. Vor allem Letztere waren in den vergangenen Jahren ein wesentlicher Aktienkurstreiber. Wir gehen deshalb davon aus, dass die Volatilität an den Aktienmärkten erhöht bleibt. Sobald Investoren die – von uns in der 2. Jahreshälfte erwartete – Konjunkturerholung absehen können, dürfte der Boden für den nächsten nachhaltigen Aufwärtstrend am Aktienmarkt gelegt sein.

Defensive Aktienregionen bleiben attraktiv


In einem von Unsicherheit geprägten Umfeld liegen die Vorteile bei den eher defensiven Aktienmärkten. Ein Blick auf die Sektorstruktur der einzelnen Regionen verrät, dass die Schweiz und die USA den größten Anteil an defensiven Sektoren wie nichtzyklischem Konsum, Gesundheit, Kommunikation und Versorger aufweisen. Beide Märkte erachten wir weiterhin als attraktiv. Die Eurozone, Großbritannien und Japan besitzen ein höheres Gewicht an konjunktursensitiven Sektoren. Der Finanzsektor, der noch immer mit strukturellen Herausforderungen kämpft, ist überproportional vertreten. In diesen Märkten sehen wir nach wie vor weniger Potenzial. Auch die Schwellenländerindizes hängen stark vom globalen Konjunkturzyklus ab. Die Finanzsektoren sind darin ebenfalls hoch gewichtet. Wir erwarten aber, dass sich die im Index stark vertretenen asiatischen Schwellenländer als erste von der Corona-Krise erholen.

 


Veröffentlicht am: 02.04.2020

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