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Sonntag, 23. Februar 2020
   
 

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Zu früh aus Aktien auszusteigen

Marktanalyse von Salman Baig, Multi-Asset-Manager beim Vermögensverwalter Unigestion

Globale Aktien setzten ihren Aufwärtstrend in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres fort. Die Unterzeichnung des „Phase 1"-Handelsabkommens zwischen den USA und China hat die Märkte weiter beflügelt, obwohl dies weitgehend erwartet wurde und Bestimmungen enthält, die China nur schwer erreichen kann.

Die Stärke der Rallye der letzten Monate erinnert an den Januar 2018 und man fragt sich, ob sie anhalten kann oder ob sie lediglich einem weiteren Zusammenbruch der Märkte vorausgeht. Dies sind wichtige Fragen, die Anleger einschätzen müssen, und Selbstzufriedenheit ist derzeit fehl am Platz. Aus unserer Sicht sind die Parallelen zu Anfang 2018 zu diesem Zeitpunkt eher schwach und die Bedingungen deuten auf mehr Aufwärtspotenzial hin. Dennoch bleiben wir wachsam, da solche Börsenrallyes oft den Boden für ihren eigenen Abschwung bereiten.

WHAT’S NEXT?

Der MSCI All Country Index ist innerhalb von nur zwei Wochen um 2,1% gestiegen, wobei sowohl Aktien aus den Industrieländern (+2,1%) als auch aus den Schwellenländern (+2,4%) von der positiven Anlegerstimmung profitierten. US-Aktien glänzen weiterhin mit einem Plus von 2,7% beim S&P 500 und 4,5% beim Nasdaq 100. Wachstumsorientierte Anlagen erhielten einen weiteren Schub, als Präsident Trump und Vizepremier Liu das „Phase 1“-Handelsabkommen zwischen den USA und China unterzeichneten, ein Schritt, der von den Marktteilnehmern zwar weithin erwartet worden war, der jedoch keineswegs sicher war.

Unter den Bestimmungen des Abkommens erklärt sich China bereit, in den nächsten zwei Jahren für weitere 200 Mrd. US-Dollar US-Güter und Dienstleistungen zu kaufen und damit den Wert der Einkäufe aus 2017, vor Beginn des Handelskrieges, von 186 Mrd. US-Dollar mehr als zu verdoppeln. Während einige Zölle zurückgenommen oder abgeschafft wurden, werden die USA weiterhin einen Zoll von 25% auf Importe aus China im Wert von 250 Mrd. US-Dollar erheben, zweifellos ein Druckmittel für zukünftige Verhandlungen. Weitere Fortschritte und eine mögliche "Phase 2" des Abkommens hängen in hohem Maße von den Chinesen ab, die sich verpflichtet haben, die US-Importe zu erhöhen und geistiges Eigentum zu schützen.

Sind wir wieder im Jahr 2018? Nein, noch nicht

Bei diesem Aufwärtstrend ziehen einige Anleger natürlich Bilanz und haben ein Déjà-vu mit Blick auf das Jahr 2018: Eine Rallye im vierten Quartal, die die herausragende Jahresperformance abschließt und sich mit bullischer Konsensstimmung bis in den Januar hinein erstreckt.

Aus unserer Sicht gab es vor dem Ausverkauf im Februar 2018 eine Handvoll besorgniserregender Signale:
- Aus makroökonomischer Sicht führte das über dem Trend liegende Wachstum zu Inflationsdruck und drängte die Zentralbanker zur Normalisierung der Geldpolitik.

- Trotz der Aktienrallye stieg der VIX, insbesondere in der zweiten Januarhälfte, und die TED-Spreads hatten sich ausgeweitet. Dies führte dazu, dass unser Marktstress-Nowcaster Warnsignale auslöste, die auf ein Risiko an den Finanzmärkten hindeuteten.

- Die Dynamik der Marktrallye war besonders stark: Der S & P 500 erzielte rückblickend über verschiedene Perioden Renditen in den oberen Perzentilen.

- Die Anlegerpositionierung war stark optimistisch: Hebelstrategien wiesen ein hohes Beta zu globale Aktien auf und Kleinanleger waren mittels ETFs extrem short in der Volatilität positioniert

- Die Bewertungen waren sehr hoch, wobei der MSCI All Country Index bei seinem 85. Perzentil und der S & P 500 bei seinem 90. Perzentil lag, gemessen an einem breiten Querschnitt von Bewertungskennzahlen.

Diese Bedingungen veranlassten uns Ende Januar 2018 dazu, das Risiko und das Aktienexposure unseres Portfolios zu reduzieren. 2020 sind viele dieser Signale nicht zu erkennen, abgesehen von den Bewertungen und den erhöhten, aber stabilen TED-Spreads,: Die Zentralbanken zeigen keine Anzeichen einer Straffung, nachdem die Fed im letzten Jahr dreimal die Zinsen gesenkt hat, verglichen mit drei Zinserhöhungen in den 12 Monaten vor Februar 2018. Darüber hinaus ist der VIX von 14 Ende 2019 auf 12 gesunken, die Aktienrallye ist zwar stark, hat aber unsere Umkehrschwelle noch nicht überschritten, und die Positionierung der Anleger scheint nicht übermäßig exponiert zu sein.

Die kommende Berichtsaison könnte zu einem weiteren Aufwärtstrend führen

In diesem Zusammenhang dürften sich die Anleger kurzfristig auf die kommende Berichtssaison konzentrieren, die in den nächsten Wochen stattfinden wird. Die verhaltenen Erwartungen für das vierte Quartal 2019, die auf Umsatzrückgängen und schwachen Margen beruhen, sind ein fruchtbarer Boden für positive Überraschungen und höhere Aktienkurse. Wenn es den Unternehmen gelingt, das nachlassende Handelskriegsrisiko im vierten Quartal zu nutzen – etwa durch eine Erholung der Margen für US-Unternehmen nach dem Höhepunkt der Zölle und eine Belebung des globalen Handels für europäische Unternehmen -, werden die Anleger gute Gründe haben, ihre Erwartungen nach
oben zu revidieren.

Wir werden auch auf Anzeichen einer Belebung der Investitionstätigkeit achten, da die nachlassende Ungewissheit die Unternehmen dazu veranlassen könnte, Geld für Investitionen statt für Aktionärsauszahlungen einzusetzen. Ein starker Anstieg der Investitionsausgaben würde die Weltwirtschaft ankurbeln und einen Teil der zuletzt beobachteten positiven Wachstumsdynamik verstärken.

Wir bleiben daher positiv für Aktien, sichern aber diese Einschätzung durch eine Untergewichtung von Credits ab, bei denen extreme Bewertungen und Positionierungen auf ein Abwärtsrisiko hindeuten. Wir beobachten auch aufmerksam das politische Risiko in den USA, da das mögliche Auftreten eines progressiven demokratischen Präsidentschaftskandidaten (d.h. Bernie Sanders oder Elizabeth Warren) eine erhebliche Herausforderung für US-Aktien darstellen würde, da die Anleger ihre Erwartungen an die Rentabilität der US-Unternehmen neu bewerten würden. Schließlich überwachen wir die Zentralbanken auf jegliche Änderungen ihrer Rhetorik, denn eine härtere geldpolitische Ausrichtung würde uns wiederum an den Januar 2018 erinnern.

 


Veröffentlicht am: 21.01.2020

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