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Dienstag, 28. Januar 2020
   
 

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Swisscanto Invest: Fossile Energieträger gehören nicht in puristische Nachhaltigkeitsfonds

Kommentar von Gerhard Wagner, Leiter Nachhaltige Anlagen, Swisscanto Invest

Der Börsengang des weltgrößten Ölkonzerns, Saudi Aramco, zieht Finanzmärkte und Öffentlichkeit in seinen Bann wie es schon länger nicht mehr der Fall war. Und dies in einer Zeit, in der Klima- und Umweltschutz sowie Nachhaltigkeit eine immens hohe Bedeutung erfahren.

Die Förderung fossiler Energieträger ist daher kritisch zu betrachten. Sicherlich wird Öl nicht nur am Ende der Kette verbrannt, sondern auch zur Herstellung von unzähligen Materialien genutzt. Dennoch sind die CO2-Emissionen, die aus der Nutzung fossiler Energieträger entstehen, deutlich zu hoch. So wird durch CO2-Emissionen unser Klimasystem destabilisiert und wirtschaftliche sowie ökologische Risiken in die Höhe getrieben. Die so genannten ‚Kipp-Punkte‘ rücken näher, wenn wir unseren Ausstoß von Treibhausgasen aus fossilen Brennstoffen nicht sofort reduzieren und bis Mitte des Jahrhunderts beenden. Ein Kipp-Punkt kann beispielsweise das Auftauen des Permafrosts in der Arktis sein, wodurch enorme Mengen des Treibhausgases Methan in die Atmosphäre gelangen. Dies wird die Erderwärmung nochmals beschleunigen und praktisch unumkehrbar machen.

Das Ziel von Paris, die Erderwärmung auf maximal 1,5 bis zwei Grad Celsius zu beschränken, wäre dann nicht mehr zu erreichen. Eine sinnvolle Faustformel, an der sich weltweit mittlerweile viele Umweltökonomen und Politikberater orientieren, schlug der Wissenschaftler Johan Rockström (Science, 2017) vor: Ausgehend von den 40 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid, die der Mensch im Jahr 2020 in die Atmosphäre emittieren wird, sollen es zehn Jahre später nur noch 20, eine weitere Dekade später nur noch zehn und bis 2050 nur noch etwa fünf Gigatonnen jährlich sein. Würde diese Faustregel befolgt, bestünde eine realistische Chance, dass der Anstieg der globalen Temperatur gemäß dem Klimaziel von Paris gegenüber der Zeit vor der Industrialisierung begrenzt werden könnte.

Finanzmärkte verarbeiten Informationen, bewerten Chancen und Risiken. Daher gehört es auch zu den Aufgaben der Finanzmarktteilnehmer, dass sie die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken und Chancen berücksichtigen.

Zu den physischen Risiken des Klimawandels gehören die direkten Einflüsse auf die Wertschöpfungskette wie zum Beispiel die Schäden an Produktionsanlagen in Folge von extremen Wetterereignissen. Zu den Transitionsrisiken zählen Risiken, die durch den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft entstehen und zu einer Neubewertung von Unternehmen führen. Auftreten werden Transitionsrisiken etwa durch politische Maßnahmen wie einer CO2-Steuer oder durch die Förderung CO2-armer Technologien durch die Politik. Erst wenn die Klimarisiken im Finanzsektor ausreichend transparent und verstanden sind, können sie richtig eingepreist werden.

Der CO2-Fußabdruck von Unternehmen und von Anlagefonds ist ein erster Schritt, die Klimarisiken besser zu verstehen. Der CO2-Fußabdruck ist ein Maß für die Treibhausgasemissionen, die direkt und über den Einkauf von Strom und Wärme von Unternehmen verursacht werden. Der Vergleich mit der Benchmark gibt einen Hinweis, wie CO2-intensiv die Unternehmen ihre Produkte oder Dienstleistungen herstellen. Swisscanto Invest weist den CO2-Fußabdruck von seinen nachhaltigen Fonds im Vergleich zur Benchmark aus.

Die Fonds schneiden bei den CO2-Emissionen deutlich besser als ihre Benchmark ab. Die einleuchtende Schlussfolgerung: Firmen/Aktien in den nachhaltigen Fonds werden von steigenden CO2-Preisen weniger betroffen sein als der Durchschnitt der Unternehmen in der Benchmark. Nachhaltige Fonds bieten hier klare Vorteile und es wird klar, warum fossile Energieträger ein Ausschlusskriterium bei puristischen Nachhaltigkeitsfonds sein müssen.

 


Veröffentlicht am: 06.12.2019

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