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Freitag, 13. Dezember 2019
   
 

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Frankreich im Gelben Trikot

Von Olivier de Berranger, Chief Investment Officer, Clément Inbona, Fondsmanager, La Financière de l’Échiquier

In der vergangenen Woche verstarb Raymond Poulidor. Obwohl er die Champs-Élysées niemals im Gelben Trikot bei der Tour de France erreichte, bleibt der „ewige Zweite“ als Held in Erinnerung. Trotz 14 Teilnahmen und sieben Podiumsplätzen kann seine sportliche Bilanz nicht mit seiner Popularität mithalten.

Es liegt nahe, Vergleiche zur französischen Wirtschaft im Teilnehmerfeld der Eurozone zu ziehen. Im Wettrennen um das Wirtschaftswachstum liegt Frankreich seit 14 Jahren hinter dem Spitzenreiter Deutschland.

Es gelingt dem Land jedoch gerade, den Nimbus des ewigen Zweiten abzustreifen. Denn im zweiten und dritten Quartal 2019 wuchs die französische Wirtschaft kräftiger als die deutsche, und ihr Beitrag zum Wachstum der Eurozone war größer. Frankreich schaltet also einen Gang höher in einer wichtigen Phase, in der die deutsche Industrie schwer zu kämpfen hat und knapp an einer technischen Rezession, d. h. zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit leichtem Rückgang des Bruttoinlandprodukts, vorbeischrammt.

Auch wenn Doping im Radsport verboten ist, wird dies in der Wirtschaft in Form geld- und/oder haushaltspolitischer Anreize geduldet und sogar gefördert. So profitiert die Eurozone derzeit von dem letzten Maßnahmenpaket, das Mario Draghi, der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank, noch auf den Weg gebracht hat und dessen Wirkung sich allmählich bemerkbar macht. Die finanziellen Bedingungen wurden gelockert, und die Konjunkturdaten vom Oktober deuten auf eine schwache Erholung im Zyklus hin.

In der Haushaltspolitik sind die Anreize asymmetrisch verteilt, denn in Frankreich wird mit einem Anstieg des Haushaltsdefizits auf 3,2 % gerechnet, während die Haushaltsdisziplin in Deutschland in diesem Jahr einen Überschuss von 1 % ermöglichen dürfte. Diese Disziplin der Deutschen stellt jedoch eine Belastung für das Wachstum in einem Umfeld mit Negativzinsen dar, in dem Länder mit ihrer Haushaltsverschuldung sogar noch Geld verdienen können.

Die französischen Indikatoren für die Unternehmensaktivität erholen sich kräftiger und die Einzelhandelsumsätze sind robuster als beim Nachbarn. Die Börsenindizes der beiden Länder bilden dieses unterschiedliche Tempo ab: Der CAC 40 GR (inkl. Dividenden) hat sein deutsches Pendant seit Jahresbeginn um über 4 % übertroffen.

Frankreich fährt somit unter den großen Ländern der Eurozone derzeit im Gelben Trikot. Hoffen wir, dass es seinen besten Partner im Windschatten mitziehen kann.

 


Veröffentlicht am: 19.11.2019

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