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Dienstag, 6. Dezember 2022
   
 

UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im September

Eintrübung der Industriekonjunktur mit unvermindertem Tempo



Die Talfahrt der österreichischen Industrie setzte sich Ende des dritten Quartals 2022 fort.

„Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex erreichte im September erneut 48,8 Punkte. Damit lag der Indikator den zweiten Monat in Folge unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, signalisierte gegenüber dem Vormonat aber zumindest vorerst keine weitere Beschleunigung der Konjunktureintrübung“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Für das dritte Quartal ergibt sich damit ein durchschnittlicher Indikatorwert von 49,7 Punkten. Nach dem kräftigen Wachstum der österreichischen Industrie in der ersten Jahreshälfte weist dies auf eine Stagnation bzw. leichte Rezession der Industriekonjunktur ab dem Sommer hin.

„Obwohl sich die Auftragslage im September weiter verschlechtert hat, haben die heimischen Betriebe die Produktion nicht ganz so stark wie im Vormonat verringert und sogar das Tempo des Personalaufbaus erhöht. Aufgrund der sinkenden Nachfrage wurden jedoch die Einkaufsmengen erneut stark reduziert, so dass sich der Lageraufbau bei Vormaterialien deutlich verlangsamte, während die Bestände in den Fertigwarenlagern zunahmen. Der Kostenauftrieb nahm aufgrund steigender Energiepreise im September wieder stärker zu, was zu einer beschleunigten Anhebung der Verkaufspreise führte“, fasst Bruckbauer die wichtigsten Umfrageergebnisse unter österreichischen Einkaufsmanagern vom September zusammen.

Viel weniger Neugeschäft

Der stärkste negative Einfluss auf den aktuellen UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex ging im September von der ungünstigen Entwicklung des Neugeschäfts aus. Den fünften Monat in Folge mussten die heimischen Betriebe einen Rückgang der Neuaufträge verbuchen. Der Index für die Auftragseingänge sank auf 38,6 Punkte, den niedrigsten Wert seit Mai 2020. „Angesichts der deutlich abnehmenden Nachfrage aus dem In- und Ausland haben die österreichischen Industriebetriebe im September erneut ihre Produktion gegenüber dem Vormonat zurückgefahren. Der vierte Produktionsrückgang in Folge fiel etwas geringer aus als im Vormonat, da die Auswirkungen des Einbruchs im Neugeschäft noch etwas durch die Aufarbeitung von Auftragsrückständen abgefedert wurde. Der Produktionsindex stieg daher geringfügig auf 46,7 Punkte, blieb jedoch deutlich unter dem Niveau, das Wachstum signalisiert“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Die verzögerte Anpassung an das verringerte Neugeschäft hat den Auftragsbestand in der heimischen Industrie im September mit hohem Tempo reduziert. Der entsprechende Index sank auf 42,6 Punkte, der tiefste Wert in mehr als zwei Jahren. Die Auftragsrückstände sanken auch aufgrund der Verschiebung bzw. Stornierung von Aufträgen als Folge der unsicheren Aussichten, des starken Anstiegs der Preise sowie hoher Lagerbestände auf Kundenseite. Dennoch verlängerten sich im September erstmals nach sechs Monaten wieder die Lieferzeiten, da Lieferengpässe und Transportprobleme die Anlieferung von Vorleistungen verzögerten.

Vorsichtiges Lagermanagement

Die nachlassende Nachfrage rückt ein vorsichtiges, kostenbewusstes Lagermanagement wieder stärker in den Vordergrund. Die Lagerbestände an Vormaterialien und Rohstoffen stiegen im September deutlich langsamer als in den Vormonaten, wenn auch manche Betriebe aufgrund bestehender Lieferprobleme aus Vorsichtsgründen weiterhin auf eine höhere Lagerhaltung setzen. „Der Anstieg der Lagerbestände an Vormaterialien hat sich gegenüber dem Vormonat verlangsamt, stieg jedoch im September erneut rascher als die Einkaufsmenge. Der Anstieg der Bestände in den Auslieferungslagern war der fünfte in Folge und darüber hinaus der zweitstärkste der Geschichte. Das zeigt, dass die Anpassung der Produktion an die nachlassende Nachfrage bisher nicht schnell genug erfolgte und sich in den kommenden Monaten wohl beschleunigen dürfte“, meint Pudschedl. Die Abschwächung der Nachfrage macht es den Betrieben immer schwieriger, die Ware am Markt unterzubringen, zumal viele Stornierungen und Abnahmeverschiebungen durch die Auftragsgeber erfolgten.

Trotz der Zurücknahme der Produktion infolge der nachlassenden Nachfrage haben mehr österreichische Betriebe im September neue Beschäftigte eingestellt. Dahinter stehen vor allem die Besetzung freier Stellen nach der starken Expansionsphase der vergangenen Monate sowie auch Pläne für anstehende Kapazitätserweiterungen. Der Beschäftigtenindex stieg jedoch nur leicht auf 55,7 Punkte.

Gas- und Strompreise erhöhen Kostenauftrieb

Nachdem sich in den vergangenen vier Monaten der Preisauftrieb im Einkauf schrittweise reduziert hatte, sorgten die stark zunehmenden Energiepreise im September für eine Trendunterbrechung. Die Einkaufspreise stiegen zwar deutlich stärker als im langjährigen Durchschnitt, der Preisauftrieb blieb jedoch deutlich unter den Höchstständen des Jahres 2021 und der ersten Monate des laufenden Jahres, gedämpft durch eine Entspannung der Preise für Metalle und Holz. Aufgrund des zunehmenden Kostendrucks beschleunigte sich der Anstieg der Verkaufspreise. Rund 36 Prozent der befragten Hersteller gaben an im September ihre Verkaufspreise erhöht zu haben, insbesondere die Hersteller von Konsumgütern.

„Der Anstieg der Energiepreise sowie die Anhebung der Abgabepreise erfolgen in der heimischen Industrie weiterhin mit unterschiedlich hohem Tempo. Bislang konnten nicht alle Betriebe den Kostenanstieg in den vergangenen zwei Jahren an ihre Kunden weitergeben, sodass sich die Ertragslage durch die Preistrends tendenziell verschlechtert haben dürfte, im September sogar wieder mit zunehmender Tendenz“, so Pudschedl.

Rezession in Sicht

Trotz der Stabilisierung des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im September gegenüber dem Vormonat weist die aktuelle Umfrage zu Ende des dritten Quartals auf eine anhaltende Abkühlung der Industriekonjunktur hin. Dazu trägt die weitere Verschlechterung des externen Umfelds bei. Der Einkaufsmanagerindex der Eurozone für die Sachgütererzeugung sowie für deren Hauptmärkte Deutschland und Frankreich verschlechterten sich im September weiter und liegen mittlerweile alle unter der Wachstumsgrenze von 50 Punkten. Dazu passen die sinkenden Auftragseingänge in Österreich, insbesondere auch aus dem Ausland, die eine Zurücknahme der Produktion auslösten. Das Indexverhältnis zwischen Neuaufträgen und den Beständen im Absatzlager zeigt an, dass die Verkaufslager stark genug befüllt sind, um das gesunkene Neugeschäft ohne Produktionsausweitung erfüllen zu können. Die Produktion dürfte somit in den kommenden Monaten wohl weiter sinken, voraussichtlich sogar mit höherem Tempo.

„Die anhaltenden Lieferengpässe, die hohen Kosten für Vormaterialien und Rohstoffe, steigende Finanzierungskosten, die große Unsicherheit hinsichtlich der Energieversorgung und die Eintrübung der globalen Konjunktur haben im September den Pessimismus der österreichischen Industriebetriebe weiter erhöht. Die Geschäftsaussichten für die kommenden 12 Monate waren die niedrigsten seit dem Höhepunkt der Coronakrise im Frühjahr 2020. Der Erwartungsindex sank auf nur noch 36,4 Punkte“, sagt Bruckbauer und ergänzt: „Nach dem starken Wachstum in der ersten Jahreshälfte hat im dritten Quartal die Industrieproduktion voraussichtlich nur noch stagniert und alle Vorzeichen weisen auf eine beginnende Rezession in der heimischen Industrie hin, deren Ausmaß stark von der Versorgungslage mit Energie und der Preisentwicklung abhängen wird.“

 

Veröffentlicht am: 29.09.2022

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