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Freitag, 30. September 2022
   
 

UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator

Starke Abkühlung der Konjunktur in Österreich zu Beginn der zweiten Jahreshälfte

Die Abkühlung der Konjunkturstimmung in Österreich hat sich zu Beginn des zweiten Halbjahres 2022 deutlich beschleunigt. Die rund zweijährige Erholung der österreichischen Wirtschaft geht in raschen Schritten einem Ende entgegen.

Die wesentlichen Ursachen dafür sind die Verwerfungen bei den Lieferketten, bei denen sich nur langsam Entspannung zeigt, und vor allem die Entwicklung der Energiepreise als Folge des Kriegs in der Ukraine. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator ist im Juli deutlich auf minus 2,0 Punkte gesunken. Damit fiel der Indikator auf den niedrigsten Wert seit zwei Jahren, wie unmittelbar nach dem ersten Lockdown in der Pandemie“, sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Das Konjunkturklima in Österreich wurde zu Beginn des zweiten Halbjahres vor allem durch die spürbare Verschlechterung der Stimmung in der Industrie und am Bau gedämpft. Dagegen hält im Dienstleistungssektor noch der Optimismus an, allerdings deutet der Rückgang der Konsumentenstimmung auf ein Allzeittief auf eine bevorstehende weitere Eintrübung hin.“

Produktionsbereiche im Abschwung, Dienstleistungen profitieren noch von Nachholbedarf

Der auf Basis der österreichischen Außenhandelsanteile ermittelte Index für die globale Industriestimmung hat den niedrigsten Wert seit Ende 2020 erreicht. Im Gleichschritt mit der Verschlechterung des Exportumfelds hat die Stimmung in der heimischen Industrie im Juli stark nachgelassen. Die Geschäftsaussichten leiden unter dem mittlerweile rückläufigen Neugeschäft, den sich nur langsam verbessernden Lieferverzögerungen der Lieferanten und den anhaltend hohen Kosten für Vormaterialien und Energie. Auch in der Bauwirtschaft hat sich der Optimismus im Juli angesichts des sich abzeichnenden Nachfragerückgangs mittlerweile reduziert.

Der stärkste Einfluss auf die Verschlechterung des Gesamtergebnisses des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators ging im Juli vom erneut starken Einbruch der Stimmung der heimischen Konsument:innen aus. Aufgrund der gelockerten Pandemiemaßnahmen und des großen Nachholbedarfs in einigen Branchen nahm der Rückenwind für die Dienstleistungsbereiche zwar dennoch etwas zu, doch der Servicesektor wird sich dem Abschwung in der Industrie und am Bau voraussichtlich bald anschließen. „Die steigenden Lebenshaltungskosten werden in den kommenden Monaten die Konsumnachfrage der Österreicher:innen spürbar dämpfen wie der starke Einbruch der Stimmung der Konsument:innen anzeigt“ meint Bruckbauer.

Am Rande der Stagnation

Nach einem starken Jahresbeginn und der deutlichen Wachstumsverlangsamung im Frühjahr signalisiert der aktuelle UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator für die zweite Jahreshälfte eine weitere Abkühlung der Konjunktur in Österreich. Nach dem kräftigen Wachstum in der ersten Jahreshälfte von durchschnittlich 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, unterstützt durch einen pandemiebedingten Basiseffekt, wird sich die österreichische Wirtschaft in den kommenden Monaten voraussichtlich am Rande einer Stagnation bewegen.

Während der Bau und vor allem die Industrie keine Wachstumsstütze mehr sein dürften, wird zudem der Dienstleistungssektor immer weniger entgegenhalten können. „Trotz der schwachen zweiten Jahreshälfte wird das Wirtschaftswachstum 2022 insgesamt jedoch mit 4,4 Prozent sehr hoch ausfallen“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl und ergänzt: „Erst 2023 wird sich die einsetzende Konjunkturschwäche in einem niedrigen BIP-Anstieg von maximal 1,5 Prozent deutlich niederschlagen.“ Die hohen Kostenanstiege werden die Investitionstätigkeit beeinträchtigen, zumal die Konsumnachfrage durch Kaufkraftverluste infolge der hohen Teuerung belastet sein wird. Beide Faktoren werden die Wirtschaftsentwicklung im kommenden Jahr spürbar belasten, jedoch mit voraussichtlich abnehmendem Einfluss im Jahresverlauf.

Erholung am Arbeitsmarkt legt Pause ein

Die Konjunkturerholung hat eine kontinuierliche Verbesserung der Lage am österreichischen Arbeitsmarkt gestützt. Nach 8 Prozent im Jahresdurchschnitt 2021 verringerte sich die Arbeitslosenquote im ersten Halbjahr 2022 auf nur noch 6,5 Prozent. Seit Mitte 2022 zeichnet sich jedoch ein vorläufiges Ende des Verbesserungstrends am österreichischen Arbeitsmarkt ab. Im Juli stieg die saisonbereinigte Arbeitslosenquote gegenüber dem Vormonat erstmals seit dem Höhepunkt während des ersten Corona-Lockdowns im April 2020 wieder leicht auf 6,3 Prozent an.

Als Folge der einsetzenden Konjunkturabkühlung erwarten wir in den kommenden Monaten einen Anstieg der Arbeitslosenquote in Österreich, der jedoch auch aufgrund der noch hohen Anzahl an gemeldeten freien Stellen in vielen Branchen überschaubar ausfallen sollte. „Nach durchschnittlich 6,3 Prozent im Jahr 2022 gehen wir für 2023 von einer Arbeitslosenquote von 6,2 Prozent aus“, erwartet Pudschedl. Trotz der Abkühlung der Wachstumsdynamik im kommenden Jahr wird die Beschäftigung voraussichtlich etwas stärker zunehmen als das Arbeitskräfteangebot und damit im Jahresdurchschnitt eine geringfügige Verringerung der Arbeitslosenquote ermöglichen.

Inflation weiter im Aufwärtstrend

Nach dem Anstieg der Teuerung in Österreich im ersten Halbjahr 2022 auf durchschnittlich 6,9 Prozent wird der Aufwärtstrend der Inflation zumindest bis in den Herbst anhalten. Während sich die Preisdynamik für Energierohstoffe, die in den vergangenen Monaten bestimmend für den Inflationsanstieg war, abschwächt, wird in den kommenden Monaten die Überwälzung der höheren Kosten von Nahrungsmitteln, Strom und Gas auf die Verbraucher für weiteren Auftrieb sorgen.

Zudem befeuert auch die starke Nachfrage nach der Lockerung der Pandemiemaßnahmen unter anderem im Beherbergungs- und Bewirtungsbereich die Teuerung, die auch durch staatliche Kompensationsleistungen vorwiegend an einkommensschwächere Haushalte mit hoher Konsumneigung etwas angeheizt wird. Damit sind zweistellige Inflationswerte in Österreich in den kommenden Monaten nicht mehr auszuschließen. Angesichts der volatilen Einflüsse ist die Inflationsprognose jedoch mit hoher Unsicherheit gekennzeichnet.

„Im Jahresdurchschnitt 2022 gehen wir von einer Teuerung in Österreich von zumindest 7 bis zu 8 Prozent aus. Erst über den Winter sollte sich der Inflationsauftrieb verlangsamen. Aber bedingt durch automatische Indexanpassungen wird die Inflation trotz des voraussichtlich dämpfenden Einflusses der Preise für (Energie-)Rohstoffe 2023 vorerst nur langsam sinken. Wir erwarten dennoch im letzten Jahresdrittel 2023 bereits eine Rückkehr der Teuerung in Richtung 2 Prozent, gedämpft durch die spürbare Abschwächung der Konjunktur“, meint Bruckbauer.

Weitere Zinsschritte der EZB nach oben folgen nach dem Sommer

Die Europäische Zentralbank hat auf den ungebrochenen Anstieg der Inflation in ganz Europa mit dem Beginn der Straffung der Geldpolitik im Juli reagiert. „Wir erwarten von der EZB nach der Anhebung der Leitzinsen um 50 Basispunkte im Juli einen erneuten Zinsschritt um 50 Basispunkte bis September sowie noch weitere drei Zinsschritte um jeweils 25 Basispunkte bis März 2023. Da sich das konjunkturelle Zeitfenster für eine Normalisierung der Geldpolitik schneller als bisher angenommen schließen könnte, dürfte ein Anziehen des Zinsanhebungstempos der EZB gegenüber den bisherigen Ankündigungen notwendig sein“, so Bruckbauer abschließend.

 

Veröffentlicht am: 17.08.2022

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