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Donnerstag, 15. November 2018
   
 

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So denken Deutschlands Frauen über das Stillen

Das Thema Stillen wird in Deutschland kontrovers diskutiert. Die einen tun alles, um das Stillen nach Jahrzehnten der Abwertung endlich wieder in ein positives Licht setzen und manche geraten dabei in Versuchung das Stillen zum alles entscheidenden Faktor für eine gesunde kindliche Entwicklung zu erheben. Den anderen ist das zu einseitig, sie befürchten einen gesellschaftlichen Stilldogmatismus und meinen, es gäbe mittlerweile keine Akzeptanz mehr für nicht stillende Mütter.

Die Stillfirma Lansinoh hat sich gefragt, was dran ist an den Positionen und war neugierig, wie Deutschlands Mütter wirklich fühlen. Zeit also für eine groß angelegte Umfrage unter ihnen!

Die Meinung der Öffentlichkeit, des Partner oder des Freundeskreises wiegen schwer, besonders wenn es um das Stillen in der Öffentlichkeit geht. Obwohl Stillen das Recht jeder Mutter und gestillt zu werden das Recht jeden Babys ist, fühlt sich mehr als die Hälfte aller Mütter unwohl beim Gedanken ans Stillen außerhalb der eigenen vier Wände. Die andere Hälfte findet es absolut natürlich. Unter den jungen Frauen zwischen 18-25 findet es jede Vierte regelrecht peinlich in der Öffentlichkeit zu stillen. In den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen denken 10% aller Mütter es sei falsch in der Öffentlichkeit zu stillen und tun es daher nicht (im Vergleich dazu nur 1% in Niedersachsen oder Hamburg).

Die Umfrage zeigt auch, dass sich jede dritte Frau selbstsicherer fühlen würde, wenn es mehr Promi-Mütter gäbe, die öffentlich und medial sichtbar stillen. Demnach scheint das Stillen in der Öffentlichkeit nicht allzu selbstverständlich zu sein.

In der Frage, ob Stillen das Beste fürs Baby ist, sind sich in Deutschland 93% einig. Mütter hierzulande stillen, weil sie die gesundheitlichen Vorteile für ihr Kind über alles schätzen (75%). In der Gruppe der jungen Frauen zwischen 18 und 25 zählt daneben auch noch als Beweggrund, dass beim Stillen eine enge Bindung mit dem Baby hergestellt werden kann. Nicht zu stillen würde für 42% dieser jungen Frauen heißen, eine schlechte Mutter zu sein. Frauen über 46 sehen das ganz anders, nur 15% meinen, man sei eine schlechte Mutter, wenn man nicht gestillt hat. An diesen Zahlen ist ablesbar, dass Stillen heute einen hohen Stellenwert genießt. Allerdings befürchten viele Frauen Schwierigkeiten beim Stillen, wie folgende Zahlen verdeutlichen:

Viele Frauen sorgen sich, dass das Baby die Brust nicht annimmt (33%) oder dass die Milchmenge nicht lange genug ausreicht (39%). Besonders besorgt zeigten sich bei dieser Frage Frauen aus Hamburg. Immerhin die Hälfte von ihnen befürchtet, die Milch würde nicht ausreichen, um das Baby lange genug zu stillen. "Leider befürchten viele Frauen ganz unnötiger weise, ihre Milch würde nicht reichen. Mindestens ebenso bedauerlich ist es, dass manche Frauen tatsächlich die Erfahrung machen, dass die Kinder wegen Milchmangel nicht gut gedeihen. Die Ursache ist fast immer das zu seltene Anlegen zu Beginn der Stillzeit und in den ersten Wochen. Daher sind die richtigen Empfehlungen nach der Geburt besonders wichtig.", sagt Yvonne Bovermann, Hebamme und Stillberaterin aus Berlin. "Eine gute Anleitung nach der Geburt und die Unterstützung in den ersten Wochen können fast imme r die Probleme beheben und die Sorgen der Frauen verringern."

Für ein Viertel aller Befragten besteht die Angst, Stillen könnte wehtun. Von den schwangeren Frauen ohne bisherige Stillerfahrung sind es gar 43% die annehmen, dass Stillen weh tut. Frauen mit Stillerfahrung geben zu etwa 30% an, Angst vor Schmerzen zu haben. "Stillen ist ein Lern-und Gewöhnungsprozess für Mutter und Baby. Es stimmt, dass das Stillen in den ersten Tagen etwas wehtun kann. Anhaltende Schmerzen sind jedoch immer ein Warnhinweis dafür, dass etwas noch nicht richtig abläuft. Mit der Unterstützung von Hebammen oder Stillberaterinnen sollte möglichst schnell die Ursache gefunden und korrigiert werden. Danach sollten die Schmerzen schnell vergehen – wenn alles richtig läuft verursacht das Stillen keine Schmerzen", erklärt Yvonne Bovermann.

Es zeigte sich übrigens auch, dass Frauen in Großstädten sich sehr viel besorgter darüber äußerten, dass ihr Aussehen unter dem Stillen leiden könnte (17-25% in Großstädten, andere Regionen unter 10%).

Ein großes Thema unter stillenden Frauen in Deutschland ist die Stilldauer. Wie lange ist die ideale Stillzeit, fragten wir daher und die Antworten sahen so aus: 31% sagten 3-6 Monate , für 6-9 Monate sprachen sich 29 % aus, 22% meinen 9-12 Monate, etwas mehr als 6 % finden 12-18 Monate ideal und 4% meinen, dass ein Kind noch länger gestillt werden sollte. Ebenso viele waren aber auch der Ansicht, ein Kind müsse gar nicht gestillt werden und nochmal so viele sagen 0-3 Monate sind genug. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt sechs Monate ausschließlich zu stillen und darüber hinaus beikostbegleitend weiter zu stillen bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr. Für Deutschland wurden die Empfehlungen zur Säuglingsernährung 2009 durch die Mitglieder der Nationalen Stillkommission unter Berücksichtigung neuester Forschungsergebnisse auf hiesige Verhältnisse angepasst. Sie empfehlen das ausschließliche Stillen, ohne jegliche Form von Ergänzung, für mindestens vier Monate. Beikost sollte in den Folgemonaten unter dem Schutz des Stillens eingeführt werden. Die Beikosteinführung und das zeitgleiche Stillen sind erwiesenermaßen ein präventiv wirksamer Schutz vor Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

"Mit guter Stillberatung im Wochenbett und wohlwollender Unterstützung durch den Partner und Angehörige steht einer erfolgreichen Stillbeziehung nichts im Weg. Fast jede Frau, die ihre Startschwierigkeiten überwunden hat, berichtet später von einem wunderschönen, schmerzfreien und natürlichen Stillerlebnis. Ihr persönliches Stillziel erreicht zu haben, macht viele Mütter sehr stolz und glücklich", weiß Sybille Neuß, Pressesprecherin bei Lansinoh, aus vielen Berichten stillender Mütter.

Die Lansinoh Umfrage zum Stillen brachte ans Licht, dass Mütter ganz besonders auf die Unterstützung ihres Partners Wert legen. Die Hälfte aller Mütter würde sich ihrem Partner verbundener fühlen, wenn er sich an der Ernährung des Babys beteiligt, z.B. durch das Füttern abgepumpter Muttermilch. Auch hier zeigt sich, dass insbesondere junge Frauen sehr auf die Unterstützung ihres Partners beim Stillen hoffen, denn Dreiviertel aller 18-25jährigen Frauen wünschen sich die konkrete Beteiligung des Vaters. Sehr zuversichtlich stimmt die Tatsache, dass sich über 70% aller Mütter, die bereits gestillt haben, gemeinsam mit ihrem Partner als Dream-Team bezeichnen würden. 9% gaben an, mit der Akzeptanz ihres Partners gestillt zu haben, obwohl er froh war, als es endlich vorbei war.

In einem sind sich übrigens die Mütter aller Altersgruppen vollkommen einig: 85% sagen, ich würde das Stillen nicht aufgeben, selbst wenn mein Partner mich dabei nicht unterstützt.

Ein gutes Zeugnis erhält das Fachpersonal in Deutschland, also Hebammen und Stillberaterinnen. Fast 80% aller Mütter heute fühlen sich gut beraten und bestens informiert, wenn es ums Stillen geht. Ein Fünftel gibt an, sich bei Stillproblemen allein gelassen gefühlt zu haben oder sich das Stillwissen allein angeeignet zu haben. Mütter vor 20 Jahren und früher hatten viel weniger Unterstützung. Jede dritte Frau der heute über 46-Jährigen sagt, dass sie sich selbst überlassen wurde, wenn sie stillen wollte und/oder Probleme dabei hatte.

Dies ist auch ein deutliches Indiz für die Lücke im Generationenwissen. Diese Frauen konnten zu einem Großteil nicht mehr positiv von den Stillerfahrungen ihrer Mütter lernen, da diese sie nicht gestillt haben. Diese Lücke wird in der Zwischenzeit von Hebammen und Stillberaterinnen ausgefü ;llt. Mit ihrer fachlichen und emotionalen Beratung leisten sie einen enorm wertvollen Beitrag für die Gesundheit unserer Gesellschaft. Sie sind es übrigens auch, die dafür sorgen, dass nicht stillende Mütter gut betreut und mit richtigen Informationen zur Säuglingsernährung ausgerüstet werden. Jede Mutter sollte daher auf die Nachsorge durch eine Hebamme Wert legen und auf ihre Unterstützung zurückgreifen können.

 


Veröffentlicht am: 13.07.2012

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