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Freitag, 16. November 2018
   
 

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Sex@mour oder hat das Internet unser Liebesleben verändert?

Jean-Claude Kaufmann – höchst erfolgreicher Autor und eigenwilliger Soziologe – hat sich seinem Lieblingsthema schon in Singlefrau und Märchenprinz, Schmutzige Wäsche oder Was sich liebt, das nervt sich eingehend gewidmet.

In seinen Bestsellern erkundete er z. B. die Einsamkeit moderner Singlefrauen mithilfe von Leserbriefen an eine Frauenzeitschrift oder den Streitfaktor in Beziehungen, wenn die rosarote Brille der Verliebtheit langsam dem ärgerlichen Alltag mit liegen gelassenen Socken oder offenen Zahnpastatuben weicht. Nun hat sich Kaufmann, endlich möchte man fast sagen, mit Sex@mour dem Internet zugewandt und in Blogs, Foren, Singleplattformen und Seitensprungbörsen seine soziologischen Studien betrieben.

„Nebenwelt“ Internet: Revolution der Kontaktaufnahme

Ob das Internet unser Liebesleben verändert und wenn ja wie, diese Fragen umkreist Kaufmann in Sex@mour – wie immer höchst amüsant, informativ und soziologisch auf den Punkt gebracht. Wir verfolgen mit Kaufmann Diskussionen im Netz über die Fragen „Wie küsst man sich?“ (und wann), „Am ersten Abend miteinander schlafen?“ oder Machotipps zum „Game“, das sich darin erschöpft, Frauen möglichst schnell ins Bett zu bekommen und dabei auf keinen Fall Gefühle zuzulassen. All das koppelt Kaufmann mit kurzen Rückblenden, zum Beispiel zum Ideal der romantischen Liebe oder zur Entwicklung des „Datings“ Anfang der 1920er-Jahre in den USA. In Tanzlokalen versuchte sich dort die Jugend, nach und nach, von den damals rigiden (Moral-)Vorschriften zu lösen, eine eigene, freiere Form des Kennenlernens zu etablieren, eine „Nebenwelt“ für sich zu öffnen. Zu so einer „Nebenwelt“ ist auch, in rasender Geschwindigkeit, das Internet geworden – und es hat, was die Einfachheit der Kontaktaufnahme angeht, natürlich alles Bisherige revolutioniert. Ein paar Klicks – und schon öffnen sich unzählige Welten: Sie reichen von der Möglichkeit zur ernsthaften Beziehungssuche bis hin zu Hardcorepornos.

Ein bisschen von allem: Wie weit geht die sexuelle Befreiung?

Doch wie weit geht die sexuelle Befreiung tatsächlich? Kaufmann: „Das Verhalten wird vielfältiger und unterschiedlicher, eine Entwicklung, die von einem wachsenden Interesse an Sexualität zeugt, aber relativ langsam voranschreitet und nicht mit der Explosion in den Medien zu vergleichen ist.“ Über die Lust hinaus sei aber „die Suche nach einer dauerhaften Beziehung und der Traum vom Glück in den Köpfen allgegenwärtig.“ Dass das, was in den Medien gezeigt wird, trotzdem nicht gelogen ist, verdeutliche die Situation, dass „die heutige Gesellschaft hin- und hergerissen ist zwischen Vergnügungslust, der Entdeckung neuer Empfindungen und dem Bedürfnis nach Beständigkeit und Halt.“ „Ein bisschen von allem und von seinem Gegenteil eben“, so Jean-Claude Kaufmann. Dass dabei auch eine kleine Revolution im Gange ist, die „Revolution der Banalisierung des Sexuellen“, ist kein Widerspruch. Neue Formen einer offenen Paarbeziehung werden versucht, Sex wird zu etwas „Einfachem, Normalem, Lustigem. Zu einer Art Freizeitbeschäftigung“. Scheinbar jedenfalls.

Von „Schlampen“, „Regelmäßig gefühlvollen Bett-Geschichten“ und der Liebe

Doch es wird mit zweierlei Maß gemessen. Frauen werden bei allzu großer Freude an wechselnden Partnern und offen gelebter Sexualität immer noch als „Schlampen“ tituliert. Den weiblichen Kampf gegen dieses Schubladendenken finden wir auch im Internet, z. B. mit der Etablierung neuer Begriffe wie „Regelmäßig gefühlvolle Bett-Geschichte“ – dem Entwurf eines wertschätzenden Miteinanders im Bett und im Alltag ohne große Bindungsversprechen – oder auf Webseiten, auf denen Männer zu Konsumobjekten degradiert werden. Im Netz finden sich eben immer alle Reaktionen, alle Extreme – und dennoch zeichnet sich ab, dass Sex nie eine bloße „Freizeitbeschäftigung“ werden kann. Was heute viel subversiver sei als der Sex, sei das Gefühl, „das dort, wo man es nicht erwartet, zum Vorschein kommt“, so Kaufmann. „Man muss verstehen, dass das Anrüchige nun nicht mehr der Sex ist, sondern paradoxerweise die Liebe… Eine andere Welt ist möglich, und diese Welt ist eine Welt der Liebe.“

Sex@mour
Wie das Internet unser Liebesleben verändert
Jean-Claude Kaufmann
Verlag: Uvk
Preis: (D) 19,90 Euro / (A) 20,50 Euro / 28,90 Franken
ISBN 978-3-86764-283-5

 


Veröffentlicht am: 08.09.2011

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