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Dienstag, 17. Mai 2022
   
 

Marktausblick: 2022 wird kein Buy-and-hold-Jahr

... von Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International



Den Blick auf 2022 dürften die meisten Menschen mit der Hoffnung verbinden, endlich die Corona-Pandemie hinter sich zu lassen und wieder ein Stück Normalität zurückzugewinnen. Die Hoffnung auf mehr Visibilität besteht auch an den Kapitalmärkten.

Zuletzt hat jedoch die Omikron-Variante Anleger weltweit verunsichert und die Börsen unter Druck gesetzt. Hinzu kommen offene Fragen in Bezug auf Inflationssorgen, Lieferketten und der Rolle Chinas. Müssen Anleger die Hoffnung auf ein erneut starkes Kapitalmarktjahr ad acta legen?

Komplexe Situation

Zunächst: Neben der Frage, wie gefährlich die Mutation ist, sind Investoren mit vielen weiteren Herausforderungen konfrontiert. Auch wenn die Wirtschaft laut IWF-Prognose 2021 global um 5,9 % gewachsen ist, kann von einer Rückkehr zur Normalität noch lange keine Rede sein: Probleme bei Lieferketten, Engpässe bei Halbleitern und vielen Rohstoffen, eine angespannte Situation in Teilen des Arbeitsmarkts, deutlich gestiegene Energiepreise – viele dieser Probleme werden sich erst mittelfristig auflösen. Unser Frühindikator deutet darauf hin, dass wir in den nächsten Monaten in eine breit angelegte Abschwächungsphase eintreten. Die Risiken für die Konsenswachstums-Erwartungen tendieren eher nach unten als nach oben.

Inflation wird hartnäckiger sein als viele erwarten


Neben pandemiebedingten Faktoren und der Tatsache, dass weiterhin extrem viel Notenbankgeld im Umlauf ist, treiben auch strukturelle Änderungen die Inflationsraten nach oben. Dazu zählen unter anderem der Trend zur De-Globalisierung und die Energiewende, die über höhere CO2-Preise längerfristig weiteren Kostendruck mit sich bringt. Erschwerend kommt hinzu, dass sich viele Zentralbanken in einer Zwickmühle befinden. So müssten sie die geldpolitischen Zügel mit Blick auf die Inflationsraten anziehen, würden dann aber den Handlungsspielraum vieler extrem hoch verschuldeter Volkswirtschaften stark einschränken und Gefahr laufen, die Konjunktur abzuwürgen. In diesem Umfeld wächst in den nächsten zwölf Monaten die Gefahr von Fehlentscheidungen durch Notenbanken und die Politik. Während einige Zentralbanken von vorübergehend höheren Teuerungsraten sprechen, gehen wir für 2022 davon aus, dass die Inflation in vielen Regionen oberhalb der Zielinflation bleiben wird. Die Zinsen müssen aber noch länger extrem niedrig bleiben, um das System nicht zum Kollabieren zu bringen.

Das China-Dilemma

Während China in den letzten Jahren den globalen Konjunkturmotor am Laufen gehalten hat, ist offen, mit wie viel Rückenwind aus China 2022 zu rechnen ist. Das Land befindet sich in einer komplexen Lage. Die Verlangsamung des Wachstums in China nach dem anfänglichen Post-Covidboom trifft auf eine deutlich höhere Schmerzgrenze der Regierung, was das künftige Wachstumsniveau angeht. Ob - und in welchem Umfang - die Regierung Maßnahmen zur Stützung des Immobilienmarktes und der Gesamtwirtschaft veranlassen wird, ist die konjunkturelle Schlüsselfrage für das nächste Jahr. Wir rechnen jedenfalls nicht damit, dass sich in China die Systemfrage stellen, bzw. ob die Regierung ungeordnete Insolvenzen erlauben wird.

Risiken dürfen dennoch nicht ausgeblendet werden - das Vertrauen internationaler Investoren ist gegenwärtig stark angeschlagen. Aber zur Wahrheit gehört auch: Mittelfristig werden die Reformen in China eine solidere Wirtschaftsentwicklung und ein dauerhaft stabileres Finanzsystem fördern. Das wird langfristig orientierten Anlegern zugutekommen. Insofern ist die längerfristige Perspektive aus Risiko-Rendite-Überlegungen aus unserer Sicht attraktiver als in vielen entwickelten Märkten, die einige schmerzhafte Entscheidungen erst noch vor sich haben.

Aktien sind weiterhin attraktiver als Anleihen – defensive Titel im Fokus

Auch 2022 gibt es für Anleger weiterhin nur wenige Alternativen zu Aktien. Innerhalb der Anlageklasse dürften jedoch eher Value-Strategien und defensive Werte sowie Titel mit einer hohen Preissetzungsmacht, die höhere Kosten über ihre Preise leichter weitegeben können, aussichtsreicher sein als klassische Wachstumstitel. Dabei handelt es sich unter anderem um Unternehmen mit starken Marken oder solche, die von hohen Markteintrittsbarrieren profitieren. Auch chinesische Aktien bieten mittelfristig weiterhin Chancen, nachdem der Höhepunkt der Regulierung inzwischen wahrscheinlich hinter uns liegt. Interessant erscheinen hier vor allem Konsum- und Technologietitel, deren Geschäftsmodelle im Einklang mit den neuen Regularien stehen.

Anleihen sind infolge niedriger Zinsen und Risikoprämien nur selektiv interessant. Zinspapiere aus Asien und vor allem auch China bilden hier eine Ausnahme. Sinnvoll sind Anlagen in dieser Region auch im Portfoliokontext infolge stärker gefallener Korrelationen. Im Kreditbereich haben vor allem Hochzins- und Schwellenländeranleihen noch Potenzial.

Fazit: Die Corona-Pandemie hielt 2021 die gesamte Welt in Atem. Einzig die Kapitalmärkte waren - im Großen und Ganzen - ein Ort der Stabilität und Quelle für Optimismus. So uneingeschränkt dürfte es im kommenden Jahr nicht weitergehen. Konjunkturell, geldpolitisch und regulatorisch haben sich viele Probleme angestaut, deren Effekte wir immer stärker zu spüren bekommen werden. Für Abgesänge ist es allerdings zur früh. Anleger werden genauer hinschauen müssen, wo und wie sie allokieren. Wie immer gilt, dass sich aus Volatilitäten auch Chancen ergeben. Diese zu erkennen wird die Hauptaufgabe für 2022 sein.

 

Veröffentlicht am: 06.12.2021

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