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Dienstag, 13. November 2018
   
 

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IM REICH DER RAUBKATZEN: Die Regisseure im Interview

Am 19. April 2012 startet IM REICH DER RAUBKATZEN im Verleih der Walt Disney Studios Motion Pictures Germany. Die beiden Co-Regisseure Alastair Fothergill und Keith Scholey brachten mehr als zwei Jahre mit der Beobachtung verschiedener Raubkatzen zu.

So begleiteten sie etwa das kleine Löwenmädchen Mara beim Aufwachsen und verfolgten ihre Bemühungen, ebenso stark, gewitzt und weise wie ihre Mutter zu werden. Sie staunten über die furchtlose Gepardin Cheetah und ihre Leistung als alleinerziehende Mutter von fünf neugeborenen Rackern. Und sie beobachteten mit Spannung, wie der stolze Rudelführer Fang seine Familie vor dem rivalisierenden Kali und dessen furchterregenden Söhnen verteidigen musste.

Im Interview berichten die beiden weiter von den unglaublichen Dreharbeiten und verraten dabei auch, welche Regel sie als Naturfilmer niemals brechen dürfen – sei die Versuchung auch noch so groß.

Wie entstand die Idee zu IM REICH DER RAUBKATZEN?
Alastair Fothergill:
Schon früh stand fest, dass Disneynature nicht ausschließlich Dokumentationen produzieren würde. Wir entschieden uns für Filme mit einem starken Plot und emotional berührenden Charakteren – um ganz ehrlich zu sein, existieren auf diesem Planeten nur wenige Tiere, die genug Charisma ausstrahlen, um ein Disney Star zu werden. Vor mehr als zehn Jahren hatten Keith und ich in der kenianischen Masai Mara Region an der TV-Serie „Big Cat Diary“ gearbeitet. Ursprünglich war ein achtwöchiges TV-Format geplant, aus dem schließlich zehn Jahre wurden. Während der ganzen Zeit sammelten wir unglaublich viele Informationen über das Verhalten von Löwen und Geparden, so dass wir uns absolut sicher sein konnten, genug Potenzial für ein spannendes Projekt vor uns zu haben. Wichtig war nur, genug Zeit zu haben – und die bekamen wir von Disney: Wir konnten länger als je zuvor für einen Film drehen, nämlich drei Jahre lang, in denen wir Tag für Tag rund um die Uhr die Kameras laufen hatten.

Keith Scholey: 
Ich erinnere mich daran, dass ich beim Sehen von DER KÖNIG DER LÖWEN in den 90er Jahren dachte, dass wir das auch in echt schaffen würden. Als Alastair das Angebot von Disneynature erhielt und mich fragte, ob ich mit ihm arbeiten wolle, waren die Katzen schnell unsere Hauptdarsteller der Wahl. Sie leben ständig am Limit, Tag für Tag, und erleben dauernd außergewöhnliche Abenteuer, bei denen es um Leben oder Tod geht. Ihr Leben spielt sich in dramatischen Shakespeare‘schen Dimensionen ab und lässt sich daher ganz natürlich in ein Drehbuch umwandeln. 

Hatten Sie ein Skript oder eine grobe Vorstellung der Story, die Sie zu filmen hofften?
Alastair Fothergill:
Wir hatten für IM REICH DER RAUBKATZEN tatsächlich so etwas wie ein klassisches Hollywood-Drehbuch geschrieben, basierend darauf, dass wir aufgrund früherer Erfahrungen 90 Prozent der Ereignisse schon voraussehen konnten. Doch dieses Skript änderte sich ständig. Die Kunst des Tierfilmens besteht darin, unvorhergesehene Ereignisse elegant in die Story zu integrieren. Wir hatten uns für diesen Film Löwen und Geparde ausgesucht, weil man zwischen den Rassen interessante Vergleiche ziehen kann. Bei beiden Tierarten zeigen wir ja die Schwierigkeiten der Mütter bei der Aufzucht ihrer Jungen. Doch die Gepardin ist alleinerziehend, sie ist die Einzelgängerin. Die Löwinnen dagegen werden vom ganzen Rudel unterstützt. Das Leben in solch einem Rudel kann sehr beschützt stattfinden, doch sobald das Rudel auseinanderbricht wird das Überleben darin aufregend und schwierig. Wir wussten also schon vorher zu 100 Prozent, dass wir beim Begleiten dieser beiden Hauptfiguren im selben Gebiet eine tolle Story bekommen würden.

Keith Scholey:
Wir hatten uns an den erfahrenen Drehbuchautor John Truby gewandt, der uns verriet, dass ein Film zwar mit einer dünnen Handlung, aber niemals mit uninteressanten Figuren funktionieren kann. Dabei muss der Gegenspieler fast genauso großartig sein wie der Held. Wir wussten ja, dass wir den Plot nicht kontrollieren konnten, da wir ja reale Ereignisse zeigen wollten. Also lag die Kontrolle darin, durch unsere Auswahl die idealen Hauptfiguren zu finden.

Wie haben Sie die Auswahl der Tiere getroffen, die Sie begleiten wollten?
Alastair Fothergill:
Bei der Gepardin war es recht einfach. Wir wussten, dass wir vom Leben einer Gepardenmutter und der Aufzucht ihrer Jungen erzählen wollten; wie viele davon es ins Erwachsenenleben schaffen würden. Wir wissen, dass weibliche Geparde nur sehr selten alle Jungen durchbringen und dass sie in der Tat sogar oft alle Kleinen verlieren. Doch wir kannten Sita als ein recht resolutes Mädchen. Bei den Löwen war es schon schwieriger. Hätten wir ein stabiles Rudel gewählt, wäre nicht viel passiert. Doch Keith entschied sich dezidiert für eine Familie, in der der dominante Löwe Fang seine besten Jahre hinter sich hatte. Und so konnten wir über den Zeitraum der drei verfügbaren Jahre Fangs Entthronung filmen – das wäre ohne eine sorgfältige Auswahl des Orts und der Hauptfiguren niemals passiert. Die Leute reagieren immer ungläubig, wenn wir erzählen, dass das Casting unserer Stars uns genauso wichtig ist wie das Casting von Johnny Depp für „Der Fluch der Karibik“.

Keith Scholey:
In vielen Tierfilmen werden die Gegenspieler als Charaktere kaum entwickelt, aber bei diesem Film haben Kali und seine Söhne eine starke Präsenz. Wir hatten immenses Glück, solch eine Truppe böser Jungs als Rivalen zu finden, denn diese Konstellation von fünf Verbündeten kommt sehr selten vor. Und sie haben ihren Job sehr, sehr gut gemacht!

Waren die Planungen dadurch erleichtert, dass Sie ja schon zuvor in der Masai Mara gefilmt hatten?

Alastair Fothergill:
Ja, denn Disney unterzeichnete die Filmverträge im Juni und wir begannen im August mit den Dreharbeiten. Das Wichtigste dabei war tatsächlich, dass wir auf zehn Jahren an Erfahrung aufbauen konnten. Wir kannten Fang schon seit einer Dekade und wussten, dass er bald abtreten würde. Wir kannten auch Sita. Hätten wir die falsche Gepardin ausgewählt, wären ihre Jungen vielleicht gestorben – mit katastrophalen Folgen für den Film.

Keith Scholey:
Auch unsere Crew bestand aus langjährigen Weggefährten. Diese gesammelte Expertise macht den Film so besonders, denn um Tiere so zu zeigen, wie wir es tun, muss man sich in ihre Köpfe hineinversetzen können. Man muss wissen, was sie in zehn Minuten tun werden. Natürlich können viele Leute gut mit der Kamera umgehen; aber es ist ungleich schwieriger, viele Leute zu finden, die gleichzeitig tolle Bilder schießen und sich in die Gedankenwelt von Tieren hineinversetzen und voraussehen können, was passieren wird.

Wie waren die Dreharbeiten an der Wasserstelle?
Alastair Fothergill:
Verließe man das Auto, würden dich die Löwen sofort töten, doch die Masai Mara ist seit Jahrzehnten ein Naturschutzgebiet. Das heißt, jeder einzelne Löwe und Gepard ist mit den Autos aufgewachsen und reagiert auf ihre Anwesenheit daher vollkommen entspannt. Alle sagen ‚Oh, ihr dreht einen Film für Disney, da sind bestimmt Animationen drin und die Tiere sprechen‘ – in Wahrheit enthält der Film keinen einzigen Frame, der nicht so in der Realität passiert ist. Und wir haben auch in keinster Weise in die Vorgänge eingegriffen oder die Tiere in ihrem natürlichen Verhalten gestört. Sobald man die Tiere belästigt, benehmen sie sich nicht mehr naturgetreu. Sie jagen nicht mehr und zeigen auch sonst keine der aufregenden Verhaltensweisen, die wir bei IM REICH DER RAUBKATZEN sehen. Für mich war es eine großartige Erfahrung, dort arbeiten zu dürfen.

Können Sie uns von der Spezialtechnik erzählen, die Sie eingesetzt haben?
Alastair Fothergill:
Wir benutzten ein System für Luftaufnahmen namens Cineflex, das wir ursprünglich für die TV-Serie „Planet Erde“ entwickelt hatten. Das System stabilisiert eine sehr leistungsstarke Linse, damit man mit dem Helikopter extrem hoch fliegen kann, um die Tiere am Boden nicht zu stören. Die Linse ist derart stark, dass man mit einem Close-Up des Tieres beginnen und danach wegzoomen kann. Für diesen Film montierten wir Cineflex vom Helikopter ab, brachten es an unserem Jeep an und konnten so die Katzen fahrend begleiten. Das gibt dem Projekt auch dieses Kino-Feeling. Die Szene etwa, in der sich etwa Kali und seine Jungs an Fang heranmachen, um ihn zu verprügeln, strahlt eine große Bedrohlichkeit aus, die wir mit einer einfachen statischen Linse nicht erreicht hätten. Zum Einsatz kam auch eine „Phantom“-Hochgeschwindigkeitskamera, die bis zu 1000 Aufnahmen pro Sekunde schießt. Damit filmten wir die Gepardenjagd – und man sieht im wahrsten Sinne des Wortes die Bewegung jeder Sehne und jedes Muskels.

Keith Scholey:
Der Schlüssel zu solchen Aufnahmen sind die Dreharbeiten aus dem Auto heraus. Diese Tiere ignorieren die Autos und man kann ihnen deshalb folgen, ohne dass sie sich bedrängt fühlen. Natürlich muss man dafür sein Auto so anpassen, dass die Kamera montiert und man sehr schnell daraus agieren kann.

Sie haben zwei Jahre lang jeden Tag gedreht. Wie plant man da seine Zeit?
Keith Scholey:
Die Löwen beanspruchten aus vielerlei Gründen sehr viel Zeit. Sie sind ja primär nachtaktiv, während der Gepard überwiegend tagsüber aktiv ist. Das Löwen-Team war fast das ganze Jahr über vor Ort, ausgenommen einige wenige Phasen, in denen es einfach zu nass wurde und das Bleiben keinen Sinn gemacht hätte. Bei der Gepardin haben wir unsere Bemühungen auf die Anfangszeit mit ihren Jungen konzentriert, denn diese Phase  ist einfach hochdramatisch. Später wird es wieder interessant, wenn sie im Begriff sind, ihre Mutter zu verlassen und kurz vor dem Erwachsenwerden stehen. Wir zeigen also vor allem ihre frühe Kindheit und das Ende der Beziehung.

Wie verteilen Sie die Aufgaben beim gemeinsamen Regieführen?
Alastair Fothergill:
Keith ist ein echter Ostafrika-Experte, also übernahm er den Löwenanteil an den Vorbereitungen und den Dreharbeiten. Wir mögen die Arbeit im Zweierteam, denn manchmal wird man beim Schneiden betriebsblind und es hilft, wenn jemand anderer mit frischem Blick darauf schaut und sagt ‚ich weiß, dass du von der Szene überzeugt bist, aber ehrlich gesagt funktioniert sie nicht‘. Natürlich hat man bei Naturfilmen niemals das Maß an kreativer Kontrolle, wie man sie Szene für Szene im Spielfilm ausüben kann. Ehrlich gesagt würden wir ja bei den Löwen gerne Regie führen, aber es geht einfach nicht!

Keith Scholey:
Ich habe viel mehr Zeit als Alastair mit dem Filmen dieser Tiere zugebracht. Also einigten wir uns darauf, dass ich mich um die Details kümmern sollte. Es funktioniert wirklich gut, wenn eine Person sich in die Einzelheiten vertieft und die andere aus dem Hintergrund darauf aufmerksam macht, wenn es zu viel wird. Alastair und ich waren jeweils schon der Boss des anderen. Erst habe ich für ihn gearbeitet und dann arbeitete er für mich. Ich versichere Ihnen: man weiß, dass eine Beziehung funktioniert, wenn man so was mal ausprobiert hat! Immer hat einer von uns ein Auge auf die Details geworfen und den anderen dazu gerufen, um den Überblick zu behalten.

Natürlich kann man während des Filmens das Geschehen nicht manipulieren. Wie schwer ist es aber, nicht einzuschreiten, wenn Tiere in Gefahr geraten?
Alastair Fothergill:
Ich finde es extrem schwer. Bei den Dreharbeiten zu IM REICH DER RAUBKATZEN hatte unsere Kamerafrau Sophie Darlington die größten Probleme damit. In einer Szene greifen die Gepardenbrüder die Babys an. Sophie war absolut überzeugt davon, dass sie sie umbringen würden. Natürlich könnte man einfach mit dem Land Rover losfahren und sich zwischen die Erwachsenen und die Jungen stellen. Aber das ist nicht drin. Das ist so ziemlich die wichtigste Regel bei der Naturfilmerei.

Keith Scholey:
Irgendwann liebt man diese Tiere genauso wie den eigenen Hund. Und wenn man dann sieht, dass Gefahr auf sie zukommt, würde man am liebsten sagen ‚ich muss das stoppen‘. Doch die Regeln des Parks besagen, dass man einzig als Beobachter vor Ort ist und niemals in den natürlichen Ablauf der Dinge eingreifen darf, was natürlich auch vollkommen richtig ist. Wir müssen uns immer wieder gegenseitig daran erinnern, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Die einzige Situation, in der ein Eingreifen legitim wäre, ist, wenn Menschen das Problem überhaupt verursacht haben; wenn etwa ein Tier von einem Auto angefahren wird. Aber wenn sich Wildtiere wie Wildtiere verhalten, muss der Mensch sich zurücknehmen. So hart das auch ist. 

Was werden die Zuschauer aus diesem Film mitnehmen?
Alastair Fothergill:
Wir treten gegen all diese umwerfenden, computergenerierten Actionfilme an – das ist eine ziemliche Herausforderung. Viele Kinogänger leben ja in sehr urbanen Verhältnissen und haben nicht einmal einen Bezug zur Natur ihrer Heimat. Ich hoffe deshalb, dass sie sich auf eine Reise zu all diesen absolut wunderbaren, unberührten Orten einlassen, die glücklicherweise noch existieren. Als Filmemacher bin ich schlussendlich jedoch schon zufrieden, wenn ich den Zuschauern eine Flucht aus ihrem Alltag bieten kann, ihnen eine Erfahrung ermöglichen, die sie im normalen Leben nicht machen. 

Keith Scholey:
Der Kernpunkt, das, was ich mir am meisten erhoffe ist, dass die Leute den Film sehen und sich denken ‚Wow, diese afrikanischen Katzen sind absolut großartig‘! Das finde ich wichtig, denn man wird diese Tiere niemals vergessen, sobald man einmal von ihnen fasziniert ist. Wenn man dann hört, dass diese Lebewesen in Gefahr sind, macht man sich Sorgen. Erfahren die Leute, dass die Geparde in bestimmten Gebieten ihren Lebensraum verlieren, hoffe ich, dass sie an Sita denken. Die Hauptaufgabe, die Naturfilme erfüllen können, ist das Bewusstsein für den Wert der Natur zu erhöhen. Je intensiver man den Film wahrnimmt, desto mehr schätzt man den Wert der Natur.

 


Veröffentlicht am: 18.04.2012

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