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Sonntag, 24. Juni 2018
   
 

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Genussreisen in Bayern

Die fränkisch-schwäbischen Reichsstädte bieten attraktive Überraschungen



Rothenburg, Dinkelsbühl und Nördlingen haben eine prägende historische Gemeinsamkeit: ihre wirtschaftliche Stärke und Bedeutung haben diese Städte nach den Verheerungen des im Mai 2018 genau 400 Jahren ausgebrochenen 30-jährigen Kriegs und der Verlagerung der Warenströme in die großen Hafenstädte nahezu vollständig verloren.

Dadurch blieb das mittelalterliche Ensemble der Altstädte über Jahrhunderte erhalten, wurde im 19. Jahrhundert durch Maler wiederentdeckt und als touristische Attraktion immer mehr wahr genommen.

Eine weitere Gemeinsamkeit haben diese Städte: sie liegen an Deutschlands bekanntesten und beliebtesten Ferienstraße, der Romantischen Straße. Sie führt von Füssen im Allgäu nach Würzburg, seit 1950 spricht dieses Markenzeichen für Natur- und Kulturgenuss. Inzwischen wird diese ca. 500 km lange Straße durch einen ausgeschilderten Radfernweg und durch einen Wanderweg ergänzt (www.romantischestrasse.de). Tägliche Busverbindungen von April bis Oktober zwischen Frankfurt und München und retour entlang der Romantischen Straße sind online buchbar unter www.romanticroadcoach.de.

Rothenburg ob der Tauber (Foto oben) ist weltbekannt für seine mittelalterliche, von einer gut erhaltenen Stadtmauer umgrenzte Altstadt und ist allein schon deshalb und aufgrund seiner schönen Lage am lieblichen Taubertal immer wieder einen Besuch wert. Auf einem 4 km langen Rundweg um die historische Altstadt lässt sich das Zusammenspiel von mittelalterlicher Stadtbefestigung, Landschaftspanorama und Natur erleben. 40 unterschiedliche Türme bzw. Tor-Türme säumen diesen Rundweg und „erzählen“ ihre Geschichte.

Aber in Rothenburg kann man auch Museen in ehemaligen Klostergebäuden besuchen, die umfassend auf hohem Niveau Geschichte vermitteln: Das Reichstadtmuseum mit seiner reichen Sammlung und das Mittelalterliche Kriminalmuseum, eines der größten rechtshistorischen Museen Europas. Eine Stadt wie Rothenburg ob der Tauber mag noch so sehr von der Geschichte zehren, Geschichte will auch erlebt werden und zwar mit allen Sinnen. Und dafür gibt es in Rothenburg ob der Tauber reichlich Anlässe. Zwei Mal im Jahr schlagen über 20 Historiengruppen das Geschichtsbuch reichsstädtischer Vergangenheit auf. Alljährlich zu Pfingsten wird die Stadt vier Tage lang zur Bühne des Dreißigjährigen Krieges. Hautnah erlebbar werden Zeltlager, kroatische Reitertruppen, großer Heereszug sowie Kanonendonner in den Gassen, wenn der Verein Historisches Festspiel „Der Meistertrunk“ die Legende von der sagenhaften Errettung Rothenburgs im Jahre 1631 aufführt. Das gleichnamige Theaterstück ist übrigens 2015 in den Rang des „Immateriellen Kulturerbes Bayern“ erhoben worden. Interesse an Kartenbestellung: siehe www.meistertrunk.de.

Jeweils am ersten Septemberwochenende entführen 24 Historiengruppen zu den Rothenburger Reichsstadt-Festtagen in die reichsstädtische Vergangenheit Rothenburgs von 1274 bis 1802: Ritterlager vor den Toren der Stadt, fahrendes Volk, Händler, Bauernhaufen und königlicher Hofstaat entführen mit farbenfrohen Gewändern und bunten Inszenierungen auf gleichermaßen unterhaltsame wie anschauliche Weise in die Vergangenheit. Zwei große Feuerwerke und öffentliche Theateraufführungen auf dem Marktplatz runden das Spektakel auf eindrucksvolle Weise ab.

Rothenburg ob der Tauber atmet auf Schritt und Tritt durch die kopfsteinbepflasterten, heimeligen Gassen Geschichte. So auch Weingeschichte. Seit dem frühen Mittelalter ist der Weinanbau bezeugt und auch heute noch gibt es einen Winzerbetrieb, der neben Weinproben auch Weinbergsführungen an den Tauberhang anbietet.

Als südlichste Weinanbaufläche Frankens gibt es natürlich auch ein fünftägiges Weinfest, alljährlich Mitte August das Rothenburger Weindorf. Dem hohen Qualitätsanspruch des Weindorfs verpflichtet ist auch die 2015 begründete weinkulinarische Initiative von 10 Rothenburger Gastronomen unter dem Siegel „Genießen ob der Tauber“. Genießen ob der Tauber steht für gelebte Regionalität, gleichermaßen bei der Herkunft der Zutaten wie bei der Zubereitung der Speisen. Ziel ist stets dem Gaumen des Gastes die saisonale Vielfalt der fränkischen Küche in kulinarischer Vermählung mit dem Frankenwein nahe zu bringen.

Neugierig geworden? Dann probieren Sie doch in einem der Partnerbetriebe das „Fränkische Versucherle“: Dieses Amuse-bouche bietet jeweils zu drei kleinen Vorspeisen drei passende Gläser Frankenwein eine perfekte Reise durch die Vielfalt des Frankenweins. Kosten je Person nur 20 € und das in jedem der zehn Partnerbetriebe, Vorbestellung erbeten.


Dinkelsbühl ist weniger bekannt, aber genauso attraktiv wie Rothenburg.  Anders als in Rothenburg fielen im Zweiten Weltkrieg in Dinkelsbühl keine Bomben. Die Stadtmauer und die historischen Marktplätze mit ihren repräsentativen Patrizierhäusern blieben erhalten. Völlig nachvollziehbar ist die Wahl zur „Schönsten Altstadt Deutschlands“ durch die Zeitschrift „Focus“. Die prächtige Altstadt mit ihrem erhabenen Münster bietet zahlreiche attraktive Weinstuben und Brauereigaststätten.

Mittelalterliches Ambiente und fränkischer Frohsinn prägen im Spätsommer das Stadtfest „Leben in einer alten Stadt“. In den malerischen Innenhöfen, Straßen und Gassen erleben die Besucher Markttreiben von ehedem und traditionelles Handwerk garniert mit Genüssen aus Küche und Keller sowie selbstverständlich viel Musik. Zu den Höhepunkten zählen dabei die Auftritte der Schwedenpfeifer und Fahnenschwinger sowie der Dinkelsbühler Knabenkapelle. Mitte Juli findet das traditionsreiche Heimatfest „Kinderzeche“ statt. Hintergrund des historischen Spiels ist der Dreißigjährige Krieg. 1632 wurde Dinkelsbühl von schwedischen Truppen belagert und der katholische Rat der Stadt von den Eroberern im Namen Gustav Adolfs abgesetzt. Der Überlieferung nach war es das beherzte Eingreifen der Türmerstochter Lore, das die Stadt vor Plünderung und Brandschatzung bewahrte. Zusammen mit den Kindern Dinkelsbühls zog sie dem Feind entgegen und erweichte das Herz der schwedischen Krieger. Zum Dank an ihre Kinder feiert die Stadt noch heute alljährlich im Juli die "Kinderzeche“ mit Festspiel, historischem Festzug, vielen weiteren Veranstaltungen und einem großen Volksfest. Dabei ist ganz Dinkelsbühl auf den Beinen und außer Rand und Band.

Die „Schneckennudeln“, eine Dinkelsbühler Spezialität, werden mittlerweile zwar auch außerhalb der „fünften Jahreszeit“, der Kinderzeche, angeboten, doch gehören sie ureigentlich zu diesem sommerfarben strahlenden Fest. Das Auf und Ab in 800 Jahren Stadtgeschichte wird greifbar lebendig im „Haus der Geschichte Dinkelsbühl – von Krieg und Frieden“, allabendlich wird ein kostenloser Rundgang mit dem Nachtwächter angeboten. Die Stadt liegt in einer idyllischen Weiher- und Flusslandschaft, hier hat die Teichwirtschaft eine lange Tradition, Dinkelsbühler Karpfen sind für ihre hohe kulinarische Qualität berühmt.

Nördlingen ist durch seine vollständig erhaltene, voll begehbare 2,5 km lange Stadtmauer und seinen kreisrunden Stadtgrundriss bekannt. Die St.-Georgskirche mit seinem 90 m hohen Turm "Daniel" über dem Westportal, eine spätgotische Hallenkirche,  ist  besonders eindrucksvoll. Der Höhepunkt hier ist die Besteigung dieses Turms. Oben empfängt die Besucher ein sympathischer Türmer (einer der beiden noch in Deutschland hauptberuflich tätigen Turmwächter, der andere arbeitet in Münster) mit seiner dreifarbigen Glückskatze „Wendelstein“. Vom Turm bietet  sich ein eindrucksvoller Blick auf die Stadt und das von einem Asteroiden kreisrund geformte Ries.

Vier bedeutende Museen bietet die Stadt: Das Stadtmuseum: eine abwechslungsreich präsentierte Sammlung zeigt auf vier Stockwerken die bewegte Geschichte der ehemals Freien Reichsstadt Nördlingen. Handel und Messe, Zunft und Handwerk sowie die Gerichtsbarkeit in der mittelalterlichen Stadt werden durch Originalobjekte illustriert. Ein Schwerpunkt ist die Geschichte des 30-jährigen Krieges und die Schlacht bei Nördlingen 1634. - Das Stadtmauermuseum: in dem 1379 fertig gestellten Löpsinger Torturm wurde 1987 ein Wehrkundemuseum von überregionaler Bedeutung eröffnet, das die Geschichte von Deutschlands einziger erhaltener Verteidigungsanlage mit voll begehbarem Wehrgang (2.632 Meter) zeigt.

Das RiesKrater Museum: Vor rund 15 Millionen Jahren kollidierte ein etwa 1 km großer Asteroid mit einer Geschwindigkeit von ca. 70.000 km/h mit der Erde. Bei seiner Explosion, die die Energie mehrerer 100.000 Hiroshima-Bomben freisetzte und alles Leben im Umkreis von 100 km vernichtete, entstand, eingesenkt in die heutige Albhochfläche, ein Krater: das heutige Nördlinger Ries. Neben der fast kreisrunden, im Durchmesser etwa 25 km großen Kraterstruktur wurden beim Einschlag u. a. neue Gesteine wie der Suevit, verschiedene Hochdruckminerale und sogar Diamanten gebildet.  Zahlreiche, teils spektakuläre Originalexponate (Impaktgesteine, Meteoriten, echtes Mondgestein, Fossilien...), Abbildungen, Texttafeln, Filme sowie interaktive Medien bringen Fakten und Dimensionen näher. In anschaulicher, für Laien verständlicher, aber auch für Fachleute interessanter Weise wird das kosmologische, planetologische und geologische Umfeld des Ereignisses erklärt und seine bis heute fortwirkenden und sichtbaren ökologischen und ökonomischen Folgen gezeigt.

Das Bayrische Eisenbahnmuseum:  Es befindet sich in den Hallen des einstigen Lokdepots der Königlich Bayerischen Staatsbahn im östlichen Bereich des Bahnhofs von Nördlingen. Über einhundert Originalfahrzeuge sind hier ausgestellt, davon allein 25 Dampflokomotiven - vom kleinen Rangierbockerl bis zur eleganten Schnellzuglok. Mit seinen funktionierenden Anlagen und Werkstätten vermittelt das Museum das besondere Flair der Eisenbahn früherer Jahre. - Seit August 2010 findet in Nördlingen das  Cittaslow-Fest statt. Genießen und erleben ist das Motto der überaus gelungenen Feste für Geschmack, Kultur und Gastfreundschaft. Das nächste Festival findet vom 17. bis 19. August 2018 statt, an diesem Wochenende gemeinsam mit dem Schwabentag 2018. Die Regionalität, das bewusste Erleben, der sinnvolle Umgang mit der Zeit und vieles mehr stehen im Vordergrund. Auch hier und während der „Nördlinger Mess“ Anfang Juni wird von Traditionsvereinen an die Geschichte der Zeit des 30-jährigen Kriegs erinnert.

Die weniger bekannte frühere Reichsstadt Bad Windsheim überrascht durch ein ganz besonderes Badeerlebnis: die Franken-Therme bietet durch ihren gesättigten Solegehalt ein durchaus mit dem Toten Meer vergleichbares Schwebeerlebnis. In unmittelbarer Nähe zur Therme befinden sich mehrere Hotels (u.a. das VitalHotel an der Therme mit einem Bademantelgang zur Therme). Zwischen den Franken-Thermen und dem historischen, bereits vor 1275 Jahren urkundlich erwähnte Stadtkern liegt der 110 Jahre alte, 36 Hektar große Kurpark, der zudem mit einem denkmalgeschützten Anteil von 25,7 Hektar der größte dieser Art in Bayern ist. 

Und eine weitere besondere Attraktion ist in Bad Windsheim zu finden: Das Fränkische Freilandmuseum (Foto). Hier wurden abgebaute denkmalgeschützte Gebäude aus Franken wieder aufgebaut. Ein Rundgang durch das Fränkische Freilandmuseum ist wie eine Zeitreise durch 700 Jahre fränkische Alltagsgeschichte: über 100 Gebäude, weitgehend originalgetreu eingerichtete Bauernhöfe, Handwerkerhäuser, Mühlen, Brauereien, Schäfereien, ein Amtshaus, Schulhaus und Adelsschlösschen sowie Scheunen, Ställe, Back- und Dörrhäuschen laden ein zur Entdeckungsreise in die Vergangenheit und vermitteln, wie die ländliche Bevölkerung in Franken in früheren Zeiten gebaut, gewohnt und gearbeitet hat. Die Häuser stehen in sechs Baugruppen, die nach Regionen und Themen angeordnet sind. So hat man bei einem Rundgang durch das Museumsgelände das Gefühl, von Dorf zu Dorf wie früher zu wandern. Besonders interessant: die Baugruppe Mittelalter sowie die Baugruppe Stadt mitten in der Altstadt von Bad Windsheim, mit der Spitalkirche, dem Alten Bauhof, der Kräuter-Apotheke.

Liebhaber traditionell gebrauten, fränkischen Bieres müssen in Bad Windsheim keine langen Wege gehen. Alleine vier historische Gaststätten und Keller laden im Fränkischen Freilandmuseum zu einem Umtrunk in uriger Atmosphäre ein. Dort steht auch das älteste, im Betrieb befindliche Brauhaus der Welt. Es wird von der Bad Windsheimer Bürgerbräu wie auch die zweite historische Braustätte im Museum, das Kommunbrauhaus, betrieben. Jedes Jahr kann am Tag des Bieres das Bierbrauen wie anno dazumal bestaunt werden. Mitten in der historischen Altstadt Bad Windsheims finden sich Gasthaus und die Kleinbrauerei der Familie Döbler.

Autoren: Jörg Raach/Julia Kratzer
Fotos: Jörg Raach, Fränk. Freilandmuseum, Ergersheim

 


Veröffentlicht am: 21.05.2018

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