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Dienstag, 13. November 2018
   
 

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Als wir Frauen stark sein mußten

Endlich gibt es ein Buch mit authentischen Frauen-Erinnerungen aus den Jahren 1939 bis 1945. Die 45 Geschichten zeichnen ein eindrucksvolles Szenarium von Trennung und Schmerz, Bangen um die Lieben zu Hause und an der Front, Hilfe, Trauer und immer wieder Hoffnung. Eine Zeit wird lebendig, die sich niemand zurück wünscht – gleichermaßen geeignet, sich daran zu erinnern oder sie aus heutiger Sicht zu verstehen.

Irmgard Janotta, eine der Zeitzeuginnen des Buches, schildert ihr Leben 1939 zu Beginn des Krieges, der sie sieben Wochen nach der Hochzeit zur jungen Soldatenwitwe macht. Geblieben ist ihr ein Foto ihres 25jährigen Mannes im offenen Sarg mit polierten Stiefeln und aufgelegtem Stahlhelm.






Von ihrer Arbeit als Frontschwester erzählt Erika Summ. Als 21jährige OP-Schwester erhält sie 1942 den Marschbefehl an die Ostfront. Vom Kreißsaal in Marbach ins provisorische Lazarett in der Ukraine ist es eine gewaltige Umstellung. Ihr Traumberuf wird zum Albtraum.

Aus einem anderen Umfeld stammen Ursula Hofmanns Schilderungen. Seit 1937 unterrichtete sie in Berlin als Lehrerin an der privaten Rackow-Schule. Sie liebt die Großstadt und erlebt, wie die Stadt immer mehr ihren typischen Charme verliert. Bei einem „gemischt-arischen“ Ehepaar in einer Nebenstraße des Kurfürstendamm findet sie als „Arierin“ eine gute Unterkunft, die Vermieter selbst dürfen offiziell nur noch in ihrer Küche hausen. Ein leistungsstarkes Radio wird ihr fast zum Verhängnis, als ein NSDAP-Ortsgruppenleiter, der über ihr wohnt, sie anzeigt, sie habe Feindsender gehört.

Die Schauspielerin Rosemarie Kilian erzählt die witzig-abenteuerliche Geschichte ihrer Jacketkronen, die ihr beim leichtsinnigen Freizeitritt in Frankreich kaputt gehen. Als Programmansagerin auf Soldatenbühnen bangt sie um ihr Aussehen. Doch die Kriegswirtschaft hat wenig Verständnis dafür.

Wie schwer Frauen mit kleinen Kindern unter den nächtlichen Luftangriffen litten, beschreibt Dora Keck. Viele Male musste sie ihre beiden Kleinen trotz hohem Fieber aus dem Bett holen und in den nasskalten Luftschutzkeller tragen. Dort verstärkten die Kinder mit ihrem Schreien die Angst der anderen Mieter des Hauses, die sorgentvoll auf die Einschläge der Bomben horchten.

Von einem tragischen Verlust erzählt Brigitta Jost: Nach einem Luftangriff auf Bonn Anfang 1945 war die beste Freundin ihrer Mutter unter Schuttbergen im Luftschutzkeller eingesperrt. Gas trat aus einer defekten Leitung. Eine Weile konnten sie noch durch das stabile Gitter eines Kellerfensters miteinander sprechen und sich bei den Händen halten, bis die Freundin vom austretenden Gas getötet wurde.

Das Buch gibt authentische Einblicke in die heute nur noch schwer vorstellbaren Lebensverhältnisse in Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Jüngeren Lesern bietet sich mit den Geschichten ein spannender Zugang in die Jugendzeit ihrer Großmütter. Entstanden ist ein wertvolles Frauenbild jener Zeit, das in dieser Vielfalt bisher fehlte.

Als wir Frauen stark sein mußten
Zeitgut Verlag, Berlin
Preis: 9,95 Euro
ISBN 978-3-86614-137-7

 


Veröffentlicht am: 16.04.2012

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